Geschichte der Eispaläste

Zuerst traut man seinen Augen nicht. Mitten im Nirgendwo auf dem Weg nach Schwarzsee FR leuchten Lichter in allen Farben aus der Winternacht. Geht man dem Lichterschein nach, kommt man aus dem Staunen überhaupt nicht mehr heraus: Im Wald stehen Paläste und Brücken, Grotten und verwunschene Wälder – alle aus Eis. Einige der Kunstwerke – so muss man diese Gebilde wohl nennen – sind mehrstöckig, andere ganz klein und versteckt. Das Ganze ist erfüllt von Kinderlachen.

Der Schöpfer dieser Märchenstadt heisst Karl «Kari» Neuhaus. Der Mann ist heute 80 Jahre alt, seit drei Jahrzehnten schaffte er dieses Kinderparadies jeden Winter aufs Neue. Irgendwie hat sich der ehemalige Schuhmacher wohl auch selber eine kindliche Seele bewahrt. Anders sind diese Feen und Prinzessinnen, die Königskutsche von Rehen gezogen oder auch die Grotte mit den Hirschen nicht erklärbar. «Angefangen hat alles, als ich noch ein Bub war», erzählt Neuhaus. «Damals baute ich kleine Landschaften mit allem Möglichen.» Dann liess er sich von gefrorenen Wasserfällen inspirieren, hantierte in der kalten Jahreszeit mit Spritzkannen und Gartenschläuchen.

1980 baute Kari im Schwarzseeschlund seinen ersten grösseren Palast, und schnell nannten ihn die Welschen «Tinguely des Glaces», den «Tinguely des Eises». Man kann es gut verstehen. Auf 250 Metern Länge und etwa 50 Metern Breite reiht sich ein Kunstwerk ans andere. Einige sind von Märchenfiguren bevölkert, in anderen sind Pinguine oder ein Eisbär daheim. Dazwischen stehen Schneeskulpturen, ein Eiszeit-Dino oder ein Piratenschiff, das sich in die Arktis verirrt hat. Natürlich gibts auch eine Drachenhöhle und Eispalmen, eine riesige Treppe führt zum Märchenschloss. Wers weniger märchenhaft mag, ist im Eiswald mit seinen vereisten Tannen und in die Nacht hineinragenden Rieseneiszapfen gut aufgehoben. Fast ist es dort ein bisschen unheimlich.

Einen Fehler melden

Das könnte Sie auch interessieren